Ordenszeichen Johannisloge Zum FüllhornZum Füllhorn

Persönlichkeiten

Sechs Logenmeister, deren Wirken die Loge zum Füllhorn über zwei Jahrhunderte geprägt hat — von der Gründung 1772 bis zum Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg.

Friedrich Ludwig Graf von Moltke (1745–1824)

Mitbegründer der Loge 1772, Meister vom Stuhl (1794–1812, mit Unterbrechungen)

Dom-Dechant zu Lübeck und dänischer Geheimer Konferenzrat, gehörte Graf von Moltke 1772 zu den Gründern der Loge zum Füllhorn. Über mehrere Amtszeiten zwischen 1794 und 1812 leitete er sie als Meister vom Stuhl und prägte ihre erste Generation. Als Verehrer des Dichters Klopstock, dem er einen Gedenkaltar stiftete, verkörperte er das aufklärerisch-gebildete Bürgertum, aus dem die junge Loge erwuchs.

Johannes Geibel (1776–1853)

Aufgenommen 1801, Meister vom Stuhl 1803–1806

Der reformierte Prediger Johannes Geibel trat 1801 in die Loge ein und wurde noch am Tag seiner Aufnahme von Graf von Moltke zum Redner ernannt. Von 1803 bis 1806 führte er sie als vorsitzender Meister. Als Geistlicher, der über fünf Jahrzehnte in Lübeck wirkte, verband er christliche Überzeugung mit dem freiheitlichen Geist seiner Zeit. Er war der Vater des Dichters Emanuel Geibel — dieser selbst gehörte der Loge nicht an.

Ernst Deecke (1805–1862)

Aufgenommen 1824, Meister vom Stuhl ab 1848

Professor am Katharineum, Stadtbibliothekar und ausgewiesener Kenner der nordischen Geschichte, gehörte Ernst Deecke 1848 zu den Abgeordneten seiner Vaterstadt in der Frankfurter Nationalversammlung. Der Loge diente er von seiner Aufnahme 1824 bis zu seinem Tod 1862 — über drei Jahrzehnte, ab 1848 als vorsitzender Logenmeister. Unter seiner Meisterschaft erwarb die Loge 1861 ihr eigenes Haus an der St.-Annen-Straße.

Hermann Linde (1831–1918)

Meister vom Stuhl 1880–1889

Apotheker und einer der frühen Lübecker Fotografen, führte Hermann Linde die Loge von 1880 bis 1889 als Meister vom Stuhl. In seine Amtszeit fiel der große Neubau des Logenhauses 1881/82. Seine Söhne prägten das Lübecker Kulturleben weit über die Loge hinaus: der Augenarzt Max Linde wurde einer der bedeutendsten frühen Förderer Edvard Munchs in Deutschland, seine Brüder Hermann und Heinrich Eduard wurden Maler.

Hermann Deecke (Sohn Ernst Deeckes)

Mitglied ab 1863, Meister vom Stuhl 1889–1892, später Senator

Der Sohn Ernst Deeckes trat 1863 in die Loge ein und übernahm 1889 als Nachfolger Hermann Lindes das Amt des Logenmeisters, das er bis 1892 führte. Später wurde er Senator der Hansestadt Lübeck. In ihm setzte sich über zwei Generationen fort, was die Loge zum Füllhorn auszeichnete: das enge Band zwischen bürgerlicher Verantwortung für die Stadt und dem Wirken in der Bruderschaft.

Georg Deecke (Enkel Ernst Deeckes)

Meister vom Stuhl 1913–1916 und 1945

Der Enkel Ernst Deeckes führte die Loge zunächst in den Jahren 1913 bis 1916. Seine eigentliche Bedeutung aber liegt im Jahr 1945: Als die Loge nach den Jahren ihres Verbots wieder zusammenfand, war es Georg Deecke, der sie als erster Meister vom Stuhl der Nachkriegszeit neu eröffnete. Er erlebte den Neubeginn nur wenige Monate — er starb noch im Dezember 1945. Sein Bildnis hängt heute im Festsaal neben dem seines Großvaters.