Vermutlich haben Sie schon einmal von den Freimaurern gehört. Über kaum eine Gemeinschaft kursieren so viele Bilder, Vermutungen und Geschichten. Höchste Zeit für eine ruhige Annäherung – von uns selbst, ohne Geheimniskrämerei, aber auch ohne falsche Versprechen.
Ein Bund, der am Menschen arbeitet
Die Freimaurerei ist ein Bund von Männern, die an sich selbst arbeiten wollen – am eigenen Charakter, an Haltung und Verantwortung. Im Mittelpunkt steht dabei die Selbstverantwortung: Es gibt keine Dogmen und keine fertigen Antworten. Jeder geht diesen Weg in seinem eigenen Tempo und auf seine persönliche Weise – die Gemeinschaft trägt dabei, denn man arbeitet an sich selbst, aber nicht allein.
Mit den Werkzeugen des Bauhandwerks als Sinnbildern fragt dieser Weg, wie ein Mensch an sich selbst „baut". Der raue Stein, der über die Jahre zur geordneten Form findet, ist das wohl bekannteste dieser Bilder. Sinnbildlich heißt es aus den alten Akten, dass viele behauene Steine zusammen ein stabiles Bauwerk ergeben.
Und das oft beschworene Geheimnis? Es liegt nicht in verborgenem Wissen, das sich nachlesen ließe. Das eigentliche Geheimnis der Freimaurerei liegt im Erleben – es lässt sich nicht erzählen, nur erfahren.
Was Freimaurerei nicht ist, lässt sich ebenso klar sagen: keine Religion und kein Religionsersatz, keine Partei, kein Wirtschaftsnetzwerk zum eigenen Vorteil.
Die Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland, der wir angehören, setzt den Glauben an Gott voraus – wobei dieser Glaube beim Eintritt noch nicht in fester Form ausgeprägt sein muss. Die Lehre Jesu, wie sie die Bibel überliefert, ist uns dabei ein Leitstern, ohne dass wir uns anmaßen, die Schrift auszulegen oder einer Kirche etwas vorwegzunehmen.
Eine Lübecker Wurzel von 1772
Unsere Loge „Zum Füllhorn" ist die älteste Freimaurerloge Lübecks. Gegründet wurde sie am 21. März 1772 – zunächst unter dem Namen „Zum Fruchthorn", der sich erst über zwei Jahrzehnte zum heutigen „Füllhorn" wandelte. Bis heute feiern wir unser Stiftungsfest am 15. Mai, jenem Tag, an dem 1772 die erste Arbeit in einem Lübecker Gasthof stattfand. Aus dieser langen Geschichte ragen einzelne Augenblicke heraus.
Einer davon liegt in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg: Als die Freimaurerei in Deutschland verboten gewesen war, gehörte das Füllhorn zu den ersten Logen in Deutschland, die ihre Arbeit überhaupt wieder aufnehmen durften – mit der ausdrücklichen Verpflichtung, dass ihr nur Menschen angehören würden, die das nationalsozialistische Gedankengut ablehnen. Dieser Satz gilt bis heute.
Mehr Fragen als Antworten?
Das ist beabsichtigt. Eine Annäherung in wenigen Absätzen kann nur einen ersten Eindruck geben – das Erleben beginnt dort, wo Texte enden. Wer neugierig geworden ist, findet auf diesen Seiten weiterführende Beiträge und die Möglichkeit, uns an einem Gästeabend persönlich kennenzulernen.
Manche Wege gehen sich leichter, wenn man den ersten Schritt einfach tut.